Die Logotherapie ist eine vom Wiener Psychiater Viktor E. Frankl (1905 - 1997) begründete humanistische psychotherapeutische Richtung, die in den USA schon seit mehreren Jahrzehnten als ‘Dritte Wiener Schule' akademisch anerkannt ist und gelehrt wird. In Europa ist die Logotherapie erst seit Ende der 80-er Jahre verbreitet.
Logotherapie findet breite Anwendung im psychologischen und therapeutischen, psychohygienischen, sozialarbeiterischen, suchtpräventiven, pflegerischen, pädagogischen und seelsorgerischen Bereich.
Während in der herkömmlichen analytischen Theorie der Mensch als trieb- und lustgesteuert und als 'homöostatisch orientiert' gilt (Tendenz, ein stabiles inneres Gleichgewicht zu erhalten), geht das logotherapeutische Menschenbild davon aus, dass der Mensch primär ein eigenständiges, sinnorientiertes und entscheidungsfähiges Wesen ist :
Er ist nicht Spielball von Trieben und Umweltbedingungen, sondern jederzeit frei, zu inneren und äußeren Bedingungen Stellung zu nehmen und dafür die Verantwortung zu übernehmen. Deshalb richtet die Logotherapie ihr Augenmerk auf das gegenwärtige geistige Streben des individuellen Menschen.
Unspezifische Logotherapie setzt eine Reihe von Methoden zur erfolgreichen Behandlung und Begleitung so genannter neurotischer Symptome sowie der Handhabung leichter bis mittlerer Formen psychosomatischer Störungen ein. Darüber hinaus aber - und das ist das Charakteristische an ihr - betrachtet sie die Sinnorientierung als vorzügliches Kennzeichen des eigenverantwortlichen Menschen. Das Ziel ist das Erkennen und Finden von Sinnmöglichkeiten in bestimmten konkreten Lebenssituationen. Damit kommt der Ratsuchende in die Lage, aus der Krise und aus der Orientierungslosigkeit herauszufinden.